Schon vor 2500 Jahren kam der Begriff "Demokratie" in Athen auf. Er setzt sich aus den Worten "dêmos" (Volk) und "kratos" (Macht) zusammen. Aus diesem kleinen in Athen gepflanzten Samen wuchs ein ganzer Wald von Ideen über Demokratie. Zum Beispiel befürworten Anhänger einer wirtschaftlichen Demokratie eine relativ gleiche Verteilung der Wirtschaftsgüter in der Gesellschaft. Für Anhänger einer sozialen Demokratie ist der gleichwertige Zugang zu öffentlichen Diensten wie Bildung und Gesundheitsfürsorge unabdingbar. Häufig wird auch argumentiert, dass es für eine echte Demokratie nicht ausreicht allen Bürgern das Wahlrecht zu geben, sondern dass vom Volk nur wirklich Macht ausgeht, wenn alle anständige Lebensbedingungen und eine gute Ausbildung haben.
Nach unserer Einschätzung werden die sprachlichen Aspekte der Demokratie in der EU immer wichtiger und der Bedarf auf diesem Gebiet zu forschen steigt stetig. Wie sollen Debatten und Diskussionen zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern geführt werden, wenn die Menschen in der EU nicht einfach miteinander kommunizieren können? Wie soll man erwarten, dass dass die EU-Bürger zu klugen Entscheidungen zu transnationalen Themen kommen, wenn die Informationen und Ideen dazu sie nur in einer Sprache erreichen, die sie unzureichend beherrschen? In allen europäischen Ländern war die Schaffung eines gemeinsamen sprachlichen Rahmens mit einer oder mehreren Nationalsprachen ein wesentlicher Bestandteil beim Aufbau der Demokratie. Deshalb schlagen wir die Einführung eines neuen Konzepts in die politische Debatte um die EU vor: Sprachliche Demokratie. Mit diesem Konzept wollen wir vermitteln, dass die wesentlichen Bestandteile der Demokratie (gleiche Rechte für alle Menschen, Kommunikationsfreiheit, wirksame Teilnahme an Entscheidungsprozessen) auch eine sprachliche Dimension haben.
Im Allgemeinen sind sich viele Menschen der Ungleichheiten auf sprachlicher Ebene nicht sehr bewusst, obwohl diese zahlreich auftreten. Denken wir zum Beispiel an:
Ein anderes konkretes Beispiel ist, dass fast alle internationalen Nichtregierungsorganisationen in Westeuropa entweder vor allem Englisch oder Englisch und Französisch benutzen, sogar die, die sich für mehr Demokratie in der EU einsetzen...
Genauso wie die politische Demokratie mehr als 2000 Jahre brauchte, um Europa zu erobern, wird es sicher auch eine lange Zeit dauern, um in der EU oder auf internationaler Ebene allgemein eine echte sprachliche Demokratie einzuführen. Bis vor kurzem hatten nur relativ wenig Menschen die Möglichkeit internationale Kontakte aufzubauen und deswegen war der Bedarf an sprachlicher Demokratie verständlicherweise nicht groß. Die Menschen, die eine internationale Karriere verwirklichen konnten, schafften dies teilweise aufgrund ihrer sprachlichen Fähigkeiten, für sie war es für gewöhnlich kein Problem sich in einer Fremdsprache auszudrücken. Mittlerweile nehmen aber dank des Internets und anderer Entwicklungen mehr und mehr Menschen Kontakt mit anderen über sprachliche Barrieren hinweg auf. In ihnen wächst ein Bewusstsein für Europa und den Erdball als eine Umgebung mit vielen Sprachen und vielen Völkern in dem die Demokratie noch schwach ist, ihr Auf- und Ausbau sich aber lohnt. In einer solchen Situation werden Stimmen für den Aufbau einer sprachlichen Demokratie höchstwahrscheinlich immer mehr Gehör finden.
Ein längerer Artikel über sprachliche Demokratie: de, en, eo, fr, sk, sv ktp [estos ligiloj]