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Nitobe-Zentrum für sprachliche Demokratie in der EU

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NITOBE Inazô

Inazô Nitobe wurde 1862 als drittes Kind seiner Familie in Morioka in Japan geboren. Als Siebenjähriger wurde er von seinem Onkel Tokitoshi Ôta adoptiert und zog nach Tokio. Nach seinem Abschluss an der Landwirtschaftsschule von Sapporo studierte er in den USA und in Deutschland; nach seiner Rückkehr nach Japan bekleidete er verschiedene Positionen im Bildungswesen. Unter anderem war er Professor an den Universitäten Tokio und Kioto und unterrichtete viele der späteren Führer der japanischen Gesellschaft. Im Jahr 1911 unterrichtete er als erster japanischer Gastprofessor an sechs Universitäten in den USA. In Japan kämpfte er für einen Ausgleich des späten Bildungseinstiegs für Frauen und widmete sich mit Energie der Errichtung der Tokioter Frauen-Universität, deren erster Präsident er 1918 wurde.

Er wohnte 1920 der Gründung des Völkerbundes bei und blieb bis 1926 als dessen Vizegeneralsekretär in Genf. Dr. Nitobe erhielt den Auftrag, einen Bericht über Esperanto und die Sprachenfrage beim Völkerbund zu erstellen, und nahm im August 1921 am 13. Esperanto-Weltkongress in Prag teil. Sein Bericht an die Vollversammlung des Bundes war der erste objektive Bericht über Esperanto durch einen hochrangigen offiziellen Vertreter einer internationalen Organisation. Obwohl der Bund seine Empfehlung nicht annahm, stehen Sprachpolitik und Sprachpraxis der zwischenstaatlichen Organisationen wie auch internationaler Nicht-Regierungs-Organisationen noch heute vor exakt denselben Fragen, die seinerzeit Dr. Nitobe stellte.

Der Bericht bestand aus drei Teilen:

  • Der erste Teil des Berichts an den Völkerbund hält persönliche Eindrücke vom 13. Esperanto-Weltkongress fest. Die 2557 Teilnehmer aus 36 Ländern werden als "ernsthafte, intelligente Bürger", als idealistisch und individualistisch beschrieben. Esperanto funktionierte nachweislich zufriedenstellend für ein breites Spektrum von Zwecken.
  • Der zweite Teil skizziert die Entwicklung der Esperanto-Bewegung und ihren Zustand im Jahr 1921. Der Erfolg des Esperanto im Vergleich zu vielen anderen Sprachprojekten wird seiner Lernleichtigkeit und seiner Assoziierung mit den "Ideen der Brüderlichkeit und Gerechtigkeit zwischen allen Völkern" zugeschrieben. Die jeweiligen Verdienste des Esperanto und des Ido waren schwer zu vergleichen, ersteres lag jedoch klar in Führung, was das Gewinnen von Anhängern betraf.
  • Der dritte Teil betrachtet die weiteren Dimensionen des Sprachenproblems in seiner Beziehung zum Völkerbund. Der ausschließliche Gebrauch des Französischen und des Englischen im Völkerbund "ist eine schwere Belastung für einige Nationen und führt deshalb zur Frage nach der Gerechtigkeit". Außerdem ist die Zahl der Nationalsprachen im Wachsen, während Handel, Wissenschaft und Arbeiterschaft immer drängender eine gemeinsame Sprache fordern. Obwohl es keine perfekte Lösung dieses Problems zu geben scheint, meinen viele, dass eine neutrale internationale Sprache vom Typ des Esperanto die beste Alternative wäre. Der Bund, so Nitobe, müsse diese Möglichkeit eingehender und detaillierter erforschen, einschließlich der Frage, ob eine solche Sprache offizielle Unterstützung wert sei.

(Diskussionsseite zum Nitobe-Bericht )

Inazô Nitobe arbeitete auch als japanischer Generaldirektor des Instituts für Pazifische Beziehungen und widmete sein Leben dem Frieden. Er starb 1933, als er an einer Pazifischen Konferenz in Kanada teilnahm. Sein Bild schmückt seit 1984 die japanischen 5000-Yen-Banknoten.

Dennoch ist Nitobe für viele eher als Verfasser des Buchs Bushidô - Soul of Japan (auf Englisch geschrieben) bekannt.


Quellen: Nitobe-Gedächtnis-Museum, "Hin zu sprachlicher Demokratie"

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